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Rede am 23.5.2020 in Tübingen zur Krise des Menschseins

Rede vom 9.5.2020 zur Krise des Menschseins

Stellungnahme Kinder und Corona

Veröffentlicht am 12.05.2020
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Rede vom 3.5.2020

Veröffentlicht am 12.05.2020

Liebe Kinder, liebe große Menschen, die Ihr heute gekommen seid!

Im Namen der Initiatoren heiße ich Euch alle herzlich willkommen! Wie sind wir drei auf den Gedanken gekommen, eine Kundgebung zu organisieren? Die Situation war folgende: als Jochen und Melani von meiner Petition zu den Freiheitsrechten erfahren hatten, schrieb mich Jochen an, ob wir nicht telefonieren könnten. Im Telefonat stellte sich rasch heraus, dass wir alle ganz stark das Gefühl hatten, es müsse nun endlich was passieren. So kann es nicht weitergehen. In diesem Telefongespräch entwickelten wir die Idee einer Demonstration auf dem Biobauernhof. Das war vor knapp 2 Wochen. Danach haben sich die Ereignisse für uns überschlagen. Voller Begeisterung entwickelten wir mit weiteren Freunden in wenigen Stunden die gesamte Veranstaltung samt Film und Plakat. Nicht immer war es einfach - mit den zuständigen Behörden und durch respektlose Kritik einzelner haben wir durchaus auch tiefe, enge Täler durchschritten, manchmal waren wir verzweifelt. Verantwortungslosigkeit, Dummheit, Naivität und vieles mehr hat man uns vorgeworfen. Wir haben ein gutes Bild davon bekommen, wie tief die Furcht in einem großen Teil der Bevölkerung sitzt. Sowohl die Furcht vor Erkrankung, wie auch die Furcht die eigene Meinung zu äußern. Wir verstehen das.

 

Dennoch war uns klar, dass eine Weiterentwicklung jetzt nur durch Mut und Vertrauen zu erreichen ist. Der Ein oder Andere von Ihnen kennt bestimmt den Film „Weit“ des jungen Paares aus Freiburg. Die Reise dieses jungen Paares führt durch die gefährlichsten Regionen unserer Erde wie beispielsweise Pakistan, an der Grenze von Afghanistan entlang oder durch den Iran. Die beiden vermeiden es zu fliegen, reisen immer per Anhalter und kommen den Menschen dadurch sehr nahe. Was ist das Geheimnis dieser zwei Menschen, warum geschieht ihnen nichts Böses? Es sind das Vertrauen, das Interesse und die Herzensoffenheit, die diese Menschen ausstrahlen. So entstehen beeindruckende Bilder der Menschlichkeit und Nächstenliebe, die tausende Menschen tief berührt haben. Als sie nach Jahren wieder nach Freiburg zurückkehren – mittlerweile mit einem gemeinsamen Kind – fassen sie die gemachten Erfahrungen in dem Satz zusammen:

“Es lohnt sich, zu vertrauen!“

 

Wo stehen wir heute, wenige Jahre nach diesem wunderbaren Dokument der Menschlichkeit? Eine Welle der Furcht hat die Weltbevölkerung erfasst, die uns in die Enge, in die Vereinzelung treibt. Unsere unschuldigen Kinder werden als wandelnde Infektionsherde betrachtet. Der Mensch begegnet dem Menschen mit Misstrauen, eine Umarmung wird zur Straftat. Sind wir nicht gleich einer Schafherde vor dem aufziehenden Gewitter vom Hochland in eine Enge Schlucht geflüchtet? Haben wir nicht alle gehofft, das Gewitter möge sich rasch wieder verziehen, der Blitz uns nicht treffen? Da stehen wir nun, jeder mit seiner Familie auf einem Flecken Gras. Die Schlucht am Ausgang durch einen Felsen versperrt. Noch haben viele von uns genug zu fressen. Aber wie lange noch? Und vor allem mag es für das Leben eines Schafes ausreichen, genug zu Fressen zu haben und vor dem Gewitter in Sicherheit zu sein. Aber reicht es für uns Menschen, so zu leben?

 

Welche Möglichkeiten gibt es, aus dieser engen Schlucht wieder herauszukommen? Zum einen haben wir natürlich den Eingang. Viele von uns merken aber, dass sie durch diesen Eingang gar nicht mehr in ihr altes Leben zurückwollen. In dieses Leben des dicht getakteten und durchgeplanten Alltags, dieser rasenden Geschwindigkeit. Das wollen wir eigentlich nicht mehr. Manches ist in der Schlucht sogar besser für uns und unsere Umwelt...

 

Dennoch wollen viele von uns wieder raus, man fühlt sich dort so beklommen. Aber wie? Die Wände sind steil, der Ausgang versperrt. Wir könnten nach Höhlen suchen oder unsere Kinder durch schmale Spalten vorausschicken. Was wir aber vor allem könnten ist, all unserer Mut zusammennehmen und klettern! Hoch zu kommen, um einen Überblick zu gewinnen, wie es weitergehen kann. Wer von Euch schon einmal im Fels hing weiß, dass es ganz auf die eigene Kraft und das Finden der Griffe und Tritte im Fels ankommt, ob man den Gipfel erreicht. Vor allem aber kommt es darauf an, einen eisernen Mut und Willen zu haben. Wer Angst hat, hat keine Chance, weil der die Kraft verliert und in der Verzweiflung nichts mehr findet, woran er sich festhalten kann. Es braucht ihn jetzt diesen Mut, diesen eisernen Willen! Wenn diese vorhanden sind, kommt man nach der ersten Seillänge auf die wunderschöne Alm hier mit den großartigen Menschen, die alle diese erste Etappe – trotz Teilnahmeerklärung - schon geschafft haben. Das Leben in der Enge der Schlucht ist nichts für uns Kletterer, zumal das Gras ohnehin bald zu Ende sein wird. Irgendwie müssen wir raus und wenn es nicht zurückgehen soll, dann eben über den Berg!

„Es lohnt sich, zu vertrauen“

 

Mit diesem Bild will ich Euch schildern, was uns antreibt, was unser Impuls ist. Über die 15 Punkte, die wir als Anliegen formuliert haben kann man streiten. So knapp formuliert werden sie immer Anlass für Interpretationen geben. Darum geht es uns aber nicht. Wir wollen darüber hinaus. Mehr als genug Zeit wurde im Streit damit vertan, sich die widersprüchlichen Zahlen, Grafiken und Fakten an den Kopf zu werfen. Es geht uns darum, klar zu machen, dass die enge Schlucht keine Lösung ist. Dass sie nur kurzfristig und für Schafe geeignet ist, aber nicht für freie Menschen mit kreativem Geist.

 

Woher stammt eigentlich diese vermeintliche Gefahr, der wir jetzt ausgesetzt sind? Dem Tierreich entstammt sie. Wie alle Erreger, die in der Lage waren eine Weltviruskrise zu verursachen. Warum bleibt der Erreger nicht einfach in den Tieren? Weil wir die Tiere aus ihren natürlichen Lebensräumen vertreiben, weil wir sie in der konventionellen Landwirtschaft und Tierhaltung weiterhin fürchterlich quälen. Ein Narr der glaubt, dass uns das Leid der Tiere und der Welt nicht irgendwann selbst treffen wird. Es kommt alles auf uns zurück, ob wir es glauben oder nicht. Wie kurzsichtig ist es, wenn man uns nun auch wie Tiere behandelt und in die Enge treibt. Nichts kann dadurch gelöst werden, die eigentlichen Ursachen werden nicht erkannt, wieder nicht in Angriff genommen. Unsere Leitschafe glauben jetzt an das Heil einer Impfung. Am liebsten hätten Sie uns wohl weiterhin in der engen Schlucht, dort sind wir so gut zu kontrollieren. Wenn dann die nächste Pandemie kommt, wäre alles schon prima vorbereitet. Und sie wird kommen, wenn wir unseren Umgang mit der Erde nicht verändern, das ist sicher. Ist es nicht dringend an der Zeit, dass wir unser Menschsein überdenken? Dass wir unseren kreativen Geist dazu benützen, um Lösungen für einen besseren Umgang mit dem Leben auf unserem Planeten zu finden? Genau dieses materialistische, monokausale Denken, dass uns jetzt in die Schlucht treibt, ist für die Zerstörung des Lebens auf der Erde verantwortlich. Es ist nicht im mindesten für lebendige Wesen geeignet. Was wir jetzt brauchen, ist ein Bewusstseinswandel, ein systemisches Denken, das der Komplexität des Lebens gerecht wird. Denn nur wenn wir wahrhaft leben, werden wir auch wieder in Würde sterben können! Wir sind immer noch in der Osterzeit! Lasst uns gegenseitig Hirten sein, mit den göttlichen Kräften der Liebe, der Freiheit und des Vertrauens, die uns geschenkt sind. Lasst uns Auferstehen aus Furcht und Enge und wieder Menschen mit offenem Herzen werden. Das ist es was in Freiheit leben meint! Gut, dass Ihr gekommen seid!

 

Rede von Klaus für die Organisatoren für die Demo am 3. Mai 2020

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Der Tod von Oma Lene

Veröffentlicht am 12.05.2020

Heute Morgen ist meine Oma Lene im Alter von 89 Jahren gestorben. Sie starb allein und einsam. Seit Mitte März durfte sie keinen Besuch durch ihre Familie mehr bekommen. Täglich weinte sie am Telefon und flehte uns an, sie raus zu holen. Meine Oma war einer der Menschen, die wir laut unserer Politiker vor dem Coronavirus schützen müssen. Meine Oma hätte gerne auf diese Art von "Schutz" verzichtet. Sie wusste, dass sie wahrscheinlich bald sterben wird. Sie hatte keine Angst vor einem Virus, das ihr Leben vielleicht um einige Wochen oder Monate verkürzt hätte. Sie hatte aber Angst davor, alleine zu sterben. Sie wurde zu" Isolationshaft" verdammt und hat unsäglich darunter gelitten, ihre Kinder, Enkel und Urenkel in den letzten Wochen ihres Lebens nicht mehr sehen zu dürfen. Was ist nur mit euch Menschen los, wenn ihr das "die Schwachen schützen" nennt? Menschen, deren Lebenserwartung durch Alter oder Krankheit nicht mehr sehr hoch ist, werden sterben, mit oder ohne Corona. Ja, das ist traurig und bitter, aber es ist die Realität. Rechtfertigt es das Leben dieser Menschen um einige Wochen oder Monate zu verlängern, indem man dafür das Leben vieler anderer zerstört durch Existenzverlust, Jobverlust, Verlust des Eigenheims, durch seelische und körperliche Gewalt im eigenen Zuhause? Es heißt immer, diese Frage dürfe man aus ethischen Gründen nicht stellen. Ich stelle sie trotzdem, denn ich habe nicht gesehen, wie all diese Maßnahmen meiner Oma geholfen hätten, obwohl wir doch vorgeben, dies alles für Menschen wie sie zu tun.

Eigentlich können wir dankbar sein, dass unsere Oma nun an einem besseren Ort ist und sie nicht weiter dabei zusehen muss, wie das Land, das sie nach dem Krieg mühevoll für ihre Kinder und Kindeskinder wieder mit aufgebaut hat, nun zugrunde gerichtet wird. Hat denn eigentlich mal irgendjemand unsere Alten gefragt, was sie davon halten, dass wir für sie die Wirtschaft unseres Landes gegen die Wand fahren und alles, wofür sie so hart gearbeitet haben, nun wegwerfen? Und ob sie mit ihrer Isolationshaft einverstanden sind? Seit wann sind Alte und Kranke auf einmal unmündig und rechtlos? Es ist erst wenige Wochen her, seit wir vom Bundesverfassungsgericht erfahren haben, dass ein jeder das Recht hat, sein Lebensende selbst zu bestimmen. Dazu muss er nicht einmal unheilbar krank sein. Heute klingt das geradezu zynisch, denn sich dem Risiko auszusetzen, eventuell an einem Virus zu erkranken, an dem man unter Umständen stirbt, scheint davon ausgenommen zu sein. Ich bin nicht für Sterbehilfe, aber ich bin einfach nur entsetzt darüber, wie unsere Grundrechte mit Füßen getreten werden und die Mehrheit der Menschen scheint damit auch noch einverstanden zu sein.

Meine Oma hat keine Stimme mehr, die sie erheben kann, aber ich kann das für sie tun und auch für all die anderen alten und kranken Menschen, die momentan in Pflegeheimen oder Krankenhäusern gegen ihren Willen in Isolationshaft sitzen. Wenn wir warten bis die glückseligmachende Impfung erfunden ist, werden sie wahrscheinlich alle tot sein. Wollen wir wirklich zulassen, dass sie wie meine Oma allein und einsam sterben? In Deutschland sterben täglich ca. 900 Menschen in Alten- und Pflegeheimen...Ist das unser Verständnis von Solidarität und Nächstenliebe?

Ich bin einfach so traurig und wütend darüber, wie meine Oma sterben musste. Nun hoffe ich, dass wir uns wenigstens bei der Beerdigung von ihr verabschieden und ihr die letzte Ehre geben können, doch auch das ist bei der momentanen Lage noch ungewiss...

 

Von Sandra für ihre Oma im Mai 2020

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Meine Petition für unsere Zukunft

Erfahrungsbericht aus dem hausärztlichen Notdienst

Veröffentlicht am 10.04.2020

Am Sonntag, den 29.3. war ich im 24-h Fahrdienst des hausärztlichen Notdienstes für die Region Tübingen West, um mir ein Bild über die Situation der Menschen zu machen. Der Fahrdienst muss wegen der hohen Nachfrage nun durch insgesamt 3 Ärzte gestemmt werden. Daneben gibt es tagsüber auch die Fieberambulanz und ein Abstrich-Drive-in. Die Rettungsleitstelle wird vorwiegend und unentwegt durch tief verunsicherte und ängstliche Menschen angerufen. Diese armen Mitmenschen leiden beispielsweise unter Geruchsverlust, Halskratzen, Husten oder ähnlichem und befürchten das Schlimmste. Nachdem ich am Vormittag einige Schmerzpatienten (Gallenkolik, Dorsolumbalgie) behandelt hatte, war ich vom frühen Nachmittag bis spät in die Nacht damit beschäftigt, Menschen zu beruhigen. Viele hatten keine Atemwegssymptome sondern Durchfall und Erbrechen. Dann auch hohen Blutdruck und verschiedene andere Arten der Somatisierung. Zwei jüngere Patienten hatten in der Tat hohes Fieber und trockenen Husten, davon eine 40-jährige Frau mit endinspiratorischen Rasselgeräusche. Alle waren sie stabil, die Sauerstoffsättigung gut. Zwei sehr kranke Patienten mussten über die Fieberambulanz ins UKT eingewiesen werden.

 

Welche Begriffe kamen mir durch die gestrigen Beobachtungen: die Menschen wirken absolut überfordert. Ihre Hausärzte mussten die Praxis zum Teil wegen C* Nachweis für mehrere Wochen schließen und sind nicht mehr verfügbar. Die Haltung der Menschen entspricht der von Tieren mit Todesangst. Sie befinden sich gewissermaßen im Dauerzustand eines Totstellreflexes und erwarten gewissermaßen ihr Ende. In der psychosomatischen Forschung wird der Totstellreflex im Vergleich zum Fluchtreflex als ein ungünstiges, parasympathisch geprägtes Reaktionsmuster beschrieben. Sie wissen nicht wie sie reagieren sollen, was sie tun sollen, was mit ihnen passieren wird. Bombardiert von Schreckensbildern aus den Nachrichten, der Zahlenflut und der nicht verständlichen Flut an medizinischem Spezialwissen verharren sie handlungsunfähig in ihren Wohnungen. Um die fieberhaft Erkrankten ist eine schwer erträgliche Dunkelheit und Verzweiflung, die sich sofort auf den Arzt überträgt (vielleicht ein Hinweis auf die besondere seelische Kontagiösität dieser Krankheit). Die Hilflosigkeit in der Behandlung von grippalen Infekten mit einfachen Hausmitteln kommt bei vielen noch mit dazu. Es herrscht eine Beklemmung, die sich bei der Mehrzahl der Patienten in subjektiven Atembeschwerden äußert, ohne dass sie nennenswert krank wären. Dankbar nehmen die Menschen beruhigende und stärkende Worte auf, sie freuen sich sehr über den Arztbesuch, der ja oft der einzige Besuch ist, den sie seit langer Zeit hatten. Die Atembeschwerden sind danach erstmal nicht mehr vorhanden.

 

Liebe Leser, ich frage Sie, ob das wirklich ein Weg sein kann? Was passiert hier? Sind wir nicht alle einer Massenhypnose verfallen? Einem medialen Krieg gestützt durch die verrückte Fülle an Zahlen und vermeintlichen Zusammenhängen, die wir präsentiert bekommen? Ist das der Beginn des Transhumanismus? Übernehmen Statistiken und Experten nun die Macht über unseren Alltag? Wir dürfen rauchen und saufen, aber an einer Lungenentzündung dürfen wir nicht sterben. Die Menschen werden jetzt seelisch lebensbedrohlich krank. Man hat ihnen die Kirchen, die Bildungseinrichtungen, die Kultur, das soziale Miteinander, manchmal auch ihre Existenz genommen… Sie merken, ich bin wirklich erschüttert über das seelische Elend, dass ich in diesem Dienst erlebt habe. Hunderttausende Menschen sind nun einer extremen psychischen Belastung ausgesetzt... Ich verstehe es nicht und die Menschen verstehen es auch nicht…

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